Vorwort und Einleitung zu “Der Schatten von eBay”
Betrachtet man die Entwicklung von eBay in den vergangenen Jahren, so muß man dem Konzern ein rasantes Wachstum zugestehen bei dem die Aktionäre durchaus auf ihre Rechnung kamen und kommen. Selbst unter Berücksichtigung von Rückschlägen wie Beispielsweise im Rechtsstreit MercExchange:eBay, in dem es um eine Patentverletzung geht, ist eBay noch auf dem aufsteigenden Ast.
Die Schlagzeilen, eBay betreffend, sind im Großen und Ganzen in 3 Schwerpunkte aufzugliedern: Wirtschaftssektor, Kriminalität und Skurrilität. Im Wirtschaftssektor geht es im wesentlichen um Aktienkurse, Prognosen und Bewertungen und die Unternehmungen, die sich eBay im Lauf der Jahre angeeignet hat. Diese Informationen interessieren Analysten, Fachleute der Wirtschaft und Investoren, doch weniger die “durchschnittliche” eBay-Gemeinde. Der überwiegende Anteil dieses Klientels streift diesen Bereich ohne wirklich davon berührt zu werden. Hingegen, wenn es um kriminelle Machenschaften geht, dann nimmt das Interesse schon eher zu, wenngleich ein nicht Betroffener auch schon mal die “Der war ja selber schuld”-Position einnimmt. Das Thema, das immer und allseits auf offene Ohren stößt, betrifft die Auktionen die durch Inhalt oder Gestaltung Aufsehen erregen. Die Bandbreite ist groß und schier unerschöpflich. Das ist das allerliebste Thema, denn es verschafft eBay Aufmerksamkeit, die durch Werbeschaltungen kaum zu erzielen wäre. Zusätzlich investiert der Konzernriese ein Vermögen in Werbung, die sich vom Internet über TV bis hin zum Kinofilm, in dem so ganz beiläufig ein Auktionshandel in einer Filmszene nebenbei, aber unübersehbar mitverarbeitet wird, zieht. Wenn dann noch eine Person des öffentlichen Lebens vor laufender Kamera davon spricht, daß man einen Gegenstand X ja bei eBay versteigern könnte, dann lacht das Herz der Konzernleiter.

Einen guten Spiegel für die krummen Geschäfte und dubiosen Geschäftspraktiken liefert ausgerechnet die Unternehmung täglich “frei Haus”, bei der eBay selbst wieder in den ersten Plätzen in Punkto Werbekunden rangiert – Google.
Google-News, das Nachrichtenportal im Internet schlechthin wo durch Computerhand, abseits der menschlichen Bearbeitung aus über 700 internationalen Nachrichtenquellen seit dem Jahr 2003 Informationen zusammengetragen und auf unterschiedlichen Länderportalen den Usern zur Verfügung gestellt werden. Die Erweiterung dieses Portals fand sich etwas später mit dem Begriff “News Alerts”, wobei sich jeder Interessent zu einem Stichwort täglich die eintreffenden Nachrichten an eine e-Mail-Adresse zusenden lassen kann. Nicht nur, so ganz nebenbei erwähnt, daß dieses Nachrichtenportal in beeindruckender Weise aufzeigt, welches Medium nur noch Pressemeldungen abschreibt und/oder übernimmt und welche Medien zusammenhängen, weil plötzlich über 30 Medien verblüffender Weise den Lesern die gleichen Überschriften und Texte anbieten, wird deutlich dokumentiert was so an kriminellen Aktivitäten bei eBay so abläuft. Ein krasses noch gegenwärtiges Manko der Sicherheitsbehörden überwindet Google und liefert ins Postfach wo, was passiert ist und via Medien verlautbart wird.

Was mit dem Manko gemeint ist, soll kurz umrissen ein Fall aufzeigen, der gegenwärtig noch im Ermittlungsstadium der Betrugsabteilung der Polizei liegt. Eine Tätergruppe wurde während einer verdeckten Recherche verifiziert. Bei den sicherheitsbehördlichen Ermittlungen mußte ein Schreiben an alle Dienststellen des Bundesgebietes abgesetzt werden um in Erfahrung zu bringen, wo sich noch weitere durch Betrug Geschädigte hinsichtlich der gleichen Vorgangsweise gemeldet haben. (Die Rolle die eBay in diesem Fall spielte, soll zum geeigneten Zeitpunkt dargelegt werden.) Google dagegen erfaßt aus seinen Nachrichtenquellen unmittelbar nach deren Veröffentlichung einschlägige Meldungen und liefert sie prompt rund um den Globus und das abrufbar für den Zeitraum von 30 Tagen.
eBay ist ein Unternehmen, ich wiederhole mich, das auf Expansion ausgerichtet ist, dagegen gibt es grundsätzlich nichts einzuwenden. Doch Expansion und Profitorientierung darf nicht auf Kosten der einzelnen Konsumenten erfolgen. Seit dem Frühjahr 2004 ist dem Pressesprecher, Joachim Guentert das Konzept dieses Buches bekannt. In einem persönlichen Gespräch habe ich einige Fälle angesprochen und die ausgebliebenen Reaktionen bzw. Veränderungen und auch die, so gut wie nicht vorhandene, Zusammenarbeit mit der Pressestelle kritisiert. Ja, eBay hat dann schon im Laufe der Zeit einiges geändert. So wurde der Log-In für Mitglieder im Herbst 2004 über eine SSL-Verbindung eingerichtet. Es hat Jahre gedauert bis dieser Schritt erfolgte und da fragt man sich warum? Solch ein “gesichertes” Log-In bietet das Auktionshaus azubo.de seit seinem Start Ende 2003 an. Ein Selbstverständnis – keine Besonderheit sollte dieser Standard sein. Um auf das Gespräch mit Herrn Guentert zurückzukommen – ich teilte ihm sinngemäß mit, wenn eBay seine Mitglieder nicht ausreichend vor kriminellen und dubiosen Geschäftemachern schützen würde und hier offensichtlich Personal und Geld einspart, dann würde ich ihnen, auf gut Deutsch, “etwas die Eier quetschen” und Sachverhalte klar aufzeigen.
Wir gingen im Guten auseinander, was eBay dann auf dem Sicherheitssektor geleistet hat, war mehr – aber zuwenig. Die Forderung richtete sich nach der Überprüfung der Identität aller Mitglieder als grundlegende Geschäftsbedingung und nicht, so wie beispielsweise im Artikel “eBay – eine überforderte Expansion” dargelegt, auch noch die Hand dafür aufzuhalten.
Wie auch immer, “Der Schatten von eBay” wird Fälle unterschiedlichster Art aufzeigen und manchmal Vorgänge darlegen und Möglichkeiten aufzeigen – auch wie man Geldwäsche via eBay vornehmen kann, wie Kinder zu Accounts kommen oder ausgeschlossene Mitglieder wieder aktiv werden. Arbeitnehmer, die unterschlagene Waren verhökern und Firmen die eigene Kontrollmechanismen auffahren um derlei zu unterbinden, eBay-Firmenangehörige die selbst gegen das Regelwerk verstoßen – ja es wird schon unterhaltsam, hoffe ich als Autor.
Und wenn wir dann alle ein wenig gelesen haben, dann können wir alle ein wenig lachen – aber sein Sie sich sicher, es wird Leute geben, denen die Gesichtszüge “entgleisen” werden und spätestens dann wird kommen, was vielen ehrlichen eBay-Mitgliedern erspart worden wäre, wenn die Konzernverantwortlichen rechtzeitig mehr für die Sicherheit und den Konsumentenschutz getan hätten: Der verpflichtende Nachweis der Identität und dies nicht nur im deutschsprachigen Raum. Es ist davon auszugehen, daß die englische Ausgabe des Buches auch das Umfeld von G. W. erreichen wird und über dem großen Wasser ist man mit der Thematik der Geldwäsche bestens vertraut.
Alle in dem Buch aufgezeigten und vorgenommenen Handlungen stehen unter dem Gesichtspunkt Schwachstellen und Mängel bei eBay, sowie kriminelle und dubiose Geschäftspraktiken aufzuzeigen um Verbesserungen zu bewirken. Sie sollen nicht als Anleitung und Grundlage für verbrecherische oder kriminelle Tätigkeiten dienen – sie weder fördern noch erleichtern.


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